Das erste Graffiti
Graffitis waren zu ihrer Entstehungszeit etwas ganz anderes, als sie heute sind.
1971 in New York begann ein Jugendlicher sein Pseudonym "Taki 183" auf Wände zu sprayen. Er wollte wohl aus irgendeinem Grund berühmt werden oder ihm war einfach nur langweilig und er suchte nach Beschäftigung.
Taki schrieb seinen Nicknamen so oft mit Marker auf Wände, dass die New York Times im gleichen Jahr einen Artikel über ihn schrieb.
Dieser Artikel war der Auslöser für einen Grossflächigen "Graffiti-Angriff". Denn viele andere Jugendliche waren von Taki beeindruckt und folgten seinem Beispiel. Eine Art Wettbewerb zwischen den Jugendlichen entstand, bei dem es galt möglichst viele "Tags" an möglichst verrückten Orten zu haben. Bis zu diesem Zeitpunkt geschah dies alles noch mit den sogenannten "Markern"; dicken, grossen Filzstiften. Dieses Werkzeug setzte natürlich Grenzen.
Spraydosen kamen auf
Doch die erste Innovation liess nicht lange auf sich warten. 1972 entstand das erste Graffiti mit Spraydosen von einem Künstler, der sich "SUPER COOL" nannte. Der Name klingt vielleicht nicht allzu kreativ, doch SUPER COOL ist wohl auch heute noch immer der berühmteste Sprayer (Writer) überhaupt!
Auch diesem Beispiel folgten die Anderen. Die immer grösser werdende Zahl an Sprayern sorgte unter ihnen für grosse Konkurrenz. Es galt also, aus dieser "herauszustechen" und etwas besonders zu sein. Eben ein Graffiti zu malen, dass die Anderen nicht so schnell vergessen würde.
Dieser Wettstreit sorgte für eine sehr starke Kreativität. Es wurde mit Farben und Formen experimentiert, Spraydosen (Dosen) wurden mit verschiedenen "Caps" bestückt, neue Techniken wurden erfunden.
Styles
Es galt nicht mehr nur möglichst überall seinen Namen zu hinterlassen, der "Style" eines Künstlers wurde zu einem wichtigen Kriterium.
"Phase II" schuf darin einen neuen Standard, den "Bubble-Style"; Blasenartige Buchstaben, zum Teil schon mit Glanzeffekten. Grundsätzlich einfach sehr runde Buchstaben.

Bubble-Style Graffiti Quelle: http://www.core77.com/reactor/04.07_klausner.asp
Es folgten 3D-Effekte und immer weitere neue Styles. Verschieden Stilrichtungen begannen sich auch in den verschiedenen Stadtteilen New Yorks zu lokalisieren. Der Bronx-, Manhattan- Brooklinstyle und andere entstanden.
Es wurden auch Hintergründe und im Spezifischen sogenannte "Characters" um die Graffitis gemalt oder in sie integriert.
Mit den Zügen und der U-Bahn wurden neue Medien erschlossen. Sie waren sehr beliebt, da sie quasi eine wandelnde Leinwand für die Künstler darstellten. NY wurde von Graffitis praktisch "zugebombt", und so kam es, dass ein Graffiti-Gesetz verabschiedet wurde. Es wurden extra eine Graffiti-Polizei gebildet und die Bahngesellschaft liess Kontrollgänge auf ihrem Gelände durchführen.
1972 wurden 1562 Writer festgenommen, doch auch diese Massnahmen halfen wenig bis gar nichts gegen den Boom dieser neuen Kultur.

